DGHM
EINE STARKE GEMEINSCHAFT

Bochum Februar 2026– Angesichts weltweit steigender Infektionszahlen durch multiresistente Erreger (MRE) wurde nun die erste S3-Leitlinie zur „Antibiotikatherapie schwerer Infektionen mit multiresistenten Bakterien“ (MRETher) für den deutschsprachigen Raum vorgelegt. Unter der federführenden Koordination von Prof. Dr. Sören Gatermann (Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V., DGHM) und Prof. Dr. Matthias Pletz (Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie e.V., PEG) setzt dieses Werk neue Maßstäbe für die klinische Versorgung. Das Projekt wurde unter direkter Beteiligung von insgesamt 14 Fachgesellschaften und Patientenorganisationen aus Deutschland und Österreich (ÖGIT) sowie unter Einbezug der methodischen Expertise der AWMF erstellt.

Ziel der Leitlinie ist es, sicherzustellen, dass die wenigen und äußerst wertvollen Reserveantibiotika hochspezifisch eingesetzt werden. Die Empfehlungen basieren auf einer detaillierten Analyse der zugrunde liegenden Erreger sowie der Art und Lokalisation der Infektionskrankheit.

Jeder Einsatz antimikrobieller Agentien ist verantwortungsbewusst zu gestalten, betont die Leitliniengruppe. Antibiotika seien im Gegensatz zu anderen Arzneimitteln als „sozial“-wirksame Medikamente zu betrachten, da ihr Einsatz nicht nur Auswirkungen auf den einzelnen Patienten, sondern durch Selektionsdruck und Resistenzverbreitung auf die gesamte Gesellschaft hat.

Zwei Hauptziele im Fokus:

  • Optimales Patienten-Outcome: Durch eine schnelle Identifizierung der Erreger und deren Resistenzmechanismen soll die Therapiequalität gesichert und Morbidität sowie Letalität gesenkt werden.
  • Schutz der Reserve-Substanzen: Ein gezielter Einsatz („So schmal wie möglich und so breit wie nötig!“) soll einer weiteren Resistenzentwicklung gegen diese überlebenswichtigen Substanzen aktiv entgegentreten.

Interdisziplinärer Schulterschluss

Die Leitlinie zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Breite in der Erstellung aus. Neben den koordinierenden Gesellschaften DGHM und PEG brachten unter anderem Fachgesellschaften aus den Bereichen Anästhesiologie, Infektiologie, Innere Medizin, Chirurgie, Urologie und Pneumologie ihre Expertise ein. Besonders hervorzuheben ist die Einbindung von Patientenvertreter;innen (Deutsche Sepsis-Hilfe e.V.), um die Patientenperspektive unmittelbar in die klinischen Empfehlungen zu integrieren.

Erste Leitlinie ihrer Art für die DACH-Region

Diese S3-Leitlinie ist das erste umfassende Regelwerk dieser Qualitätsstufe für die spezifische Fragestellung der MRE-Therapie im deutschsprachigen Raum. Sie bietet Ärzten in Krankenhäusern eine essenzielle Hilfestellung bei der komplexen Auswahl zwischen älteren Substanzen (wie Colistin) und modernen Reserveantibiotika (wie Cefiderocol oder neuen β-Laktam-Inhibitor-Kombinationen).

Sie finden die Leitlinie unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/067-011

Herausgebende Organisationen (Auszug):

*   Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie e.V. (DGHM)

*   Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie e.V. (PEG)

*   Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (ÖGIT)

*   Deutsche Sepsis-Hilfe e.V. (DSH)

*   … sowie 10 weitere klinische Fachgesellschaften.

Rückfragen: DGHM-Geschäftsstelle: office@dghm.de